Figuren, die mit dem Betrachter sprechen

Die Figuren von Josef Lang wirken wie Betrachter ihrer Umwelt, die Raum, Zeit und Schicksal mit den Menschen in ihrer Umgebung teilen, versunken in einer Selbst- und Weltbefragung. Es sind nicht Skulpturen im eigentlichen Sinne, die als autonome Plastik ein Eigenleben führen, sondern werden unauffällig Teil der Gemeinschaft von Menschen, die um sie leben. Sie sind mehr verborgene Chiffre, formelhaft reduziert auf eine Gebärde, welche der monochrome Farbüberzug oder die Materialfarbe unterstreicht. Es sind Menschen ohne Posen mit Gesten der Verwundbarkeit, kein selbstbewusstes sich zur Schau stellen. Sie fallen auf durch eine gewisse Masse, die ihnen Standkraft verleiht. In ihrer Schutzbedürftigkeit werden sie nahbar und ansprechbar. Sie scheinen mit ihrem Aufstellungsort zu verwachsen, und manchmal hat man das Gefühl, sie waren schon immer da.

Christian Burchard, Kunsthistoriker, Fachhochschule München,
Lehrstuhl für Ästhetik und Gestaltpsychologie

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Bildhauer Josef Lang

In den Arbeiten von Josef Lang scheint eine Art Unbekümmertheit um negative Zeiterscheinungen auf, eine Unbeirrbarkeit, die uns beruhigt und froh gestimmt sein lässt. Wer könnte die von Lang geschaffenen Figuren an ihrem Tun – Schreiten, Tanzen und Schauen – hindern?
Wie die meisten Bildhauer vor ihm rückt Lang den Menschen in seiner Gestalt in den Mittelpunkt seines kreativen Schaffens. Die dreidimensionale Darstellung der menschlichen Gestalt bildet den direkten Verbindungspartner zwischen Künstler und Betrachter. Im Idealfall stellt die Skulptur nicht nur Verständigungsmittel dar, sondern tönt wider als Gleichklang der guten Gestimmtheit, der ähnlichen Auffassung und der umfassenden Weltorientierung.
Es kommt nicht darauf an, wer sich so eine Skulptur in seinem Garten aufstellen kann, sondern darauf, wie viele Menschen sie sehen, verstehen und Identität mit ihrer Ausstrahlung finden können. Je mehr Menschen die Bildwerke von Josef Lang verinnerlichen, umso mehr Menschlichkeit, Freude und Mut können sich ausbreiten.
Lang reiht sich mühelos ein in die Jahrhunderte währende Kette von Künstlern, die uns wohl bekannt und deren Werke uns vertraut sind. Dem Künstler müssen solche Werke Messlatte für sein eigenes Tun sein. Der Kunstphilosoph Konrad Fiedler formulierte dies im 19. Jahrhundert so: »Für die Welt werden die Meisterwerke früherer Jahrhunderte eine unerschöpfliche Quelle der Bildung sein, dem Künstler, der zu Großem berufen ist, müssen sie ein überwundener Standpunkt sein.«
Es gibt an den Skulpturen von Josef Lang Anklänge von Verwandtschaft zu weltbekannten zeitgenössischen Kunstwerken bei der Erdhaftigkeit, der sich verjüngenden Gestalt und bei der Überlängtheit.
Mit den Werken von Josef Lang begegnen wir Plastiken, die messbar Qualität aufweisen, gleich ob sie aus Holz, Stein oder Bronze geschaffen wurden. Die Holzbildwerke bestätigen den Begriff »Bildhauerei« am nachhaltigsten. Den Schnitt mit der ausschließlich verwendeten Kettensäge kann der Betrachter mit dem Auge nachvollziehen.
Vermeintlich näher an Bildner früherer Zeiten rückt Lang durch die Farbgebung seiner Holzskulpturen heran. Er aber stattet seine Figuren mit einer einzigen Farbe aus. Sie wird unmittelbar auf den Holzgrund aufgetragen. Der Künstler bevorzugt sattes Grün, leuchtendes Blau und auftrumpfendes Rot.
Auch bei Bronzefiguren sind wir mittlerweile an die vom Künstler vorbestimmte Patina gewöhnt und erwarten nicht, dass die gold- oder kupferschimmernde frische Bronze einem langsamen farblichen Wandel unterliegt. Lang bevorzugt eine besondere Patinierung, die er durch Experimentieren und gezielte Versuche erreicht.
Im Sinne Fiedlers ist Lang ein wahrer Künstler, da er nicht über die Ziele seiner Tätigkeit nachdenkt, wohl aber immer nach den richtigen Ausgangspunkten sucht.
Persönlich schätze ich an den Werken von Josef Lang die Art, wie sie mit der Erde verwurzelt scheinen, gute Stimmung verbreiten und erkennbar machen, dass sie der Jetztzeit entstammen.

Hartfrid Neunzert

Figuren, die mit dem Betrachter sprechen: das gesamte Interview von Josef Lang mit dem Kunsthistoriker Christian Burchard über figürliche Bildhauer-Kunst und das Zusammenspiel von Ausdruck, Material und Ort gibt es hier als PDF